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„I love my prophet“

Am Bahnhof begegnete mir heute eine junge Frau, gekleidet mit einem langen schwarzen Mantel und langem schwarzen Kopftuch. An ihrem Mantel war ein recht stylischer Button mit Aufschrift „I love my prophet“ befestigt. „Popkultur und Religion vereint: wie modern!“ dachte ich mir. Aber irgendwie irritierte mich dieses Bild, denn so modern sah die Frau, ihrer Kleidung nach zu urteilen, gar nicht aus. Somit beschloss ich, mich einmal darüber zu informieren, was es mit diesem Button auf sich hat und traf auf folgende Seite: www.styleislam.com. Gegründet von einem Wittener Grafik Designer, der an einer Dortmunder Fachhochschule „Visuelle Kommunkation“ studierte, vermarktet dieser Online-Shop seit 2008 „Streetstyle & Multimedia für junge Leute mit Attitude“. Auf der Seite „LABKULTUR“ wird zitiert: „Er will, dass junge Muslime ihre Religion offen und stolz präsentieren. Aber nicht mit Kopftuch und langem Mantel, sondern mit stylischen Accessoires“. Begonnen hatte alles mit einem T-Shirt mit der Aufschrift „I love my Prophet“, welches als Gegenreaktion auf die Mohammed-Karikaturen diente. Inzwischen umfasst der Shop mehr als hundert Produkte, von T-Shirts, über Schlüsselanhänger, Taschen hin zu Babylätzchen. Die Idee scheint mir recht geeignet, um Glaube und Tradition auf friedliche Weise in eine moderne Welt zu integrieren. Ebenso fortschrittlich wirken die weiteren Aufdrucke „Terrorism has no religion“, „Make çay not war“ und „Go Halal“. Bei einigen Produkten und Sprüchen fällt es mir allerdings schwer, die genaue Bedeutung zu verstehen. Hier einige Beispiele: „Keep smiling – it’s Sunnah“. Schlägt man im Lexikon des Islam den Begriff „Sunnah“ nach, findet man folgendes: „Die Autorität des Sunnah ist im Koran verankert, der von den Muslimen fordert, sich der Führung des Propheten zu unterwerfen und ihm zu folgen. Die Gläubigen dürfen sich Gott und seinem Gesandten nicht widersetzen und dürfen ihnen den Gehorsam nicht verweigern… Der Prophet gilt als letzte Instanz bei allen Entscheidungen eines Muslims. Ein Gläubiger darf, wenn Allah und sein Gesandter eine Gelegenheit entschieden haben, in dieser Angelegenheit nicht mehr wählen…“

Also mir wäre dabei gar nicht zum Lachen zumute. Somit stellt sich mir die Frage, ob „Keep Smiling – it’s Sunnah“ einen Funken Ironie beinhaltet, purer Ernst, oder einfach Auslegungssache ist. Ein weiterer Spruch lautet „Jesus and Muhammad – Brothers in faith“ – es ist mir durchaus neu zu erfahren, dass Jesus und Muhammad voll die „Bros“ vor 2000 Jahren waren. Vielleicht wären sie es allerdings geworden, da sie beide unter den typischen Problemen litten, die man als Glaubensrevolutionär in der Zeit hatte. Der eine wurde ans Kreuz genagelt und der andere auch beinahe, wenn er nicht noch vorher rechtzeitig aus Mekka geflohen wäre.
Zusätzlich lassen sich im Online Shop aber auch noch Buttons, T-Shirts und Anhänger mit dem „Ummah-Girl“ erwerben. Das Ummah-Girl erinnert ein bisschen an die islamische Hello-Kitty Ausgabe.  Beim Ummah-Girl handelt es sich nicht immer um ein und dasselbe Mädchen. Was allerdings auffällt ist, dass jedes dieser Mädchen ein Kopftuch trägt. Gibt es das Ummah-Girl also nur in der Kopftuch-Ausführung? Und was ist mit all den Muslimischen Frauen, die das Ummah-Girl eigentlich ganz süß finden, allerdings gegen Kopftücher sind. Sozusagen ein modernes muslimisches Streetstyle Dilemma.

Gut gewählte Sprüche und Slogans erreichen viel. So war es schon vor tausenden von Jahren und so wird es vermutlich auch noch die nächsten tausend Jahre sein. „Errare humanum est“, „Unter den Talaren , der Muff von 1000 Jahren“, „Macht kaputt, was euch kaputt macht!“.

Was diese Sprüche so besonders und andauernd macht, ist, dass sie die tiefsten menschlichen Bedürfnisse und Eigenarten ansprechen, wie den Wunsch nach Gerechtigkeit und danach, anerkannt zu werden. Somit bin ich mir auch sicher, dass „Terrorism has no religion“ und „Make cay not war“ vermutlich länger in aller Ohren bleiben werden als beispielsweise „Keep smiling- it’s sunnah“.

http://www.styleislam.com/