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Hallo, ist deine Mama da?

Kaum etwas kann so nervig sein, wie Menschen, die penetrant versuchen einem etwas an der Tür oder übers Telefon anzudrehen. Das schlimmste ist nicht einmal, dass sie einem die Zeit rauben, sondern vielmehr, dass ihre kommunikativen Fähigkeiten derartig schlecht sind, dass man sich jedes Mal fragt, wer diese Menschen denn bitte eingestellt hat.

Ein schönes Beispiel ereignete sich heute Nachmittag:

Ein Vertreter von den Johannitern  klingelte heute nachmittag an meiner Tür:

„Guten Tag, ist deine Mama da?“

„Bitte?“

„Ach wohnen Sie nur hier? – das tut mir leid, Sie sehen so jung aus. Worüber ich mich gerne mit Ihnen unterhalten würde: ich bin von den Johannitern und würde Sie bitten, uns für ein Jahr mit einer monatlichen Spende zu unterstützen. Das Geld bleibt auch ganz bestimmt in der Stadt Essen und wird auch nur für gute Zwecke verwendet.“

„Ich bin Studentin, von daher hab ich‘s jetzt auch nicht so dicke…“

„Sie haben nicht mal 2 Euro im Monat für einen sozialen Zweck übrig?“

„Nein und ich bin selbst genug sozial tätig.“

„Sie haben also nicht mal 2 Euro übrig?“

„Nein.“

„Tja, wie Sie meinen – dann wünsche ich Ihnen noch ein schönes Wochenende.“

Während beim Rekapitulieren dieses Gesprächs meine Aggression anstieg, begang ein weiterer Mitarbeiter der Johanniter 5 Minuten später einen großen Fehler, indem er an meiner Tür klingelte und mir demonstrierte, dass er ein genauso großer Vollpfosten war wie sein Kollege:

„Guten Tag, ich bin von den Johannitern.“

„Ja, ihr Kollege war eben schon bei mir!“

„Und, haben Sie schön gespendet?“

„Nein, ich bin selber nur Studentin“ sagte ich, während ich mir vorstellte, wie es diesem Mann wohl gefallen würde, entmannt zu werden.

„Wie und Sie haben nicht mal 2 Euro im Monat übrig für eine soziale Spende?“

„Nein und ganz bestimmt nicht für Leute, die einen angesehen Namen vertreten, sich aber total ungeschickt verhalten, wenn es darum geht, jemanden zu ’ner Spende zu überreden.“

„Ich kann Ihnen jetzt nicht ganz folgen.“

„Sie glauben ernsthaft, ich unterschreib‘ mal eben so ’nen Vertrag bei jemanden, der vor meiner Tür steht und einen Satz schon anfängt wie Ihr Kollege mit: „Das Geld bleibt auch ganz bestimmt in der Stadt Essen und wird auch nur für gute Zwecke verwendet“ und mir dann auch noch unverschämterweise ’nen schlechtes Gewissen einreden will mit Aussagen wie: „Sie haben nicht mal 2 Euro übrig?“

„Sehen Sie, ich kann Ihnen auch einen Ausweis zeigen.“

„Aha…“

„Spenden Sie jetzt?“

„Nein!“

„Sie wissen schon, dass Sie die Johanniter damit ein ganzes Jahr unterstützen könnten!“

„Ja, aber wenn ich trotz Ihnen je nochmal das Bedürfnis verspüren sollte, für die Johanniter spenden zu wollen, dann werd‘ ich mich schon selber da melden!“

„Gut, – schade, dass Sie nicht spenden möchten. Einen schönen Tag noch.“

Warum schafft es unsere Gesellschaft nie, Leute dort einzusetzen, wo es am effektivsten wäre?

Warum werden immer irgendwelche kleinen Korinthenkacker an irgendwelche Schalter und in die Kundenbetreuung gesetzt?

Selbst in der Uni ist es so. Man kommt von der Schule und erwartet nach einigen abgewrackten Lehrjahren plötzlich das didaktische Wunder zu erleben: die Uni, als ein Ort, wo ganz viele intelligente Leute rumlaufen, die alle verdammt gut dazu ausgebildet sind, richtig gut zu lehren. Stattdessen sitzt man in Vorlesungen wo jemand vor einem steht, der auch nur ausgelost wurde, weil kein anderer es machen wollte und von sich selber sagt: „Ich fand das Thema gut, weil ich dachte, das wär nicht so viel und dann hab ich gestern angefangen mir das anzulesen und festgestellt, dass das ja doch ganz schön kompliziert ist.“

Und dann fragen sich wieder alle, warum so viel falsch läuft in diesem Land und sind dann davon überzeugt, dass es doch ’ne super Idee wäre, einfach mal ganz viel Geld in Ganztagsschulen zu stecken, um die Kinder gleich drei Stunden länger am Tag mit der ganzen didaktischen Scheiße zu bombardieren.

Dazu fällt mir nur noch „La vida non esta una granja de los ponies“ ein 😉