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Pleased to meet you – hope you guessed my name

Regelmäßig taucht im Alltag eine beunruhigende Frage auf:

„Wer war das?“

„Wer hat’s kaputt gemacht?“, „Wer hat das letzte Stück gegessen?“

aber auch Fragen wie

„Wer hat der Mama die Dose mit den lustigen TicTacs geklaut?“, „Wer hat das fremde Höschen in mein Bett geschafft?“, „Wer hat den Kratzer am Auto verursacht?“, „Wer hat das Tütchen Pulver in Ihre Tasche gepackt?“, „Wer von euch hat gerufen, Jesus solle ans Kreuz?“ „Wer hat Andy Pipkin aus dem Rollstuhl geschubst?“

kommen durchaus vor.

Nach einer derartigen Frage herrscht zunächst ein verlegenes Schweigen und ein verzweifelt versuchend ernsthafter Blick an alle Anwesenden in der Hoffnung, jemand verhält sich noch auffälliger als man selbst oder gibt sogar zu, dass er es gewesen ist. Doch das geschieht so gut wie nie und die Stille dauert so lange an, bis der erste kleine Judas sagt: „Also ich kann’s ja gar nicht gewesen sein, weil ich war ja gar nicht da und sowieso würd ich sowas ja nie tun, weil ich kannte mal nen Mann, der hat das getan und der war dann tot und wenn ihr’s mir nicht glaubt, dann fragt ihn doch selber“. Und dann beginnt ein Sturm, in dem jeder darum ringt, innerhalb von Sekunden eine möglichst glaubhafte Geschichte zu erzählen, die einen unschuldig erscheinen lassen soll. Kurz danach wird Judas nervös und sagt: „Aber ich meine ich hab … gesehen, wie er … gemacht hat“ und ganz plötzlich sind sich alle ganz einig, dass es „…“ war.

Ob „…“ es wirklich getan hat, wird dann nebensächlich, sicher ist jedoch, dass sich alle auch in 10 Jahren noch einig sind, dass es „…“ war.

Dabei war es am Ende er, der aus einer Sache noch eine viel größere Sache gemacht hat ;-):

http://www.youtube.com/watch?v=hr26lcvYmJQ

(Ein ziemlich gutes Lied ;))

Frau O.

Frau O. ist Ende 30. Sie ist schon früh Mutter geworden und genau so früh, wie das Kind kam, hat sich auch der Vater aus dem Staub gemacht. Frau O. ist somit seit fast 20 Jahren alleinerziehend. Sie hat gerade ihr Studium nachgeholt und arbeitet nun im öffentlichen Dienst. Angesichts ihrer Position und dem, was sie geschafft hat, zählt sie sich selbst schon zur Elite der Gesellschaft.

Am Montag Morgen stellt eine ihrer Mitarbeiterinnen die Frage in den Raum „Na, wart ihr gestern auch alle schön wählen?“. Frau O antwortet ganz selbstsicher „Nein, war ich nicht!“.“Warum nicht?“ entgegnet die Mitarbeiterin. Frau O. macht ihrem Status alle Ehre und antwortet, wie alle die, die keine Ahnung von Politik haben, aber sich trotzdem für die Elite halten: „Das hat ja überhaupt keinen Sinn!“- „Aber warum nicht, man kann doch schon einiges bewirken…“ „Nein, das ist einfach so, das hat überhaupt keinen Sinn und es lohnt sich auch gar nicht, jetzt darüber weiter zu diskutieren.“

Am Abend überlegt sich Frau O, ob sie nicht vielleicht doch zur Wahl hätte gehen sollen. Eigentlich ist Frau O ja ein sehr toleranter Mensch, aber so einige Sachen stören sie ja schon an den ganzen dunklen Menschen, die hier so rumlaufen. Die sehen immer so aus, als seien sie potentielle Gewalttäter, vor allem die mit Bart. Und dann furchen die sich immer so zusammen und reden nur in ihrer Muttersprache. Die planen doch bestimmt was Böses. Außerdem arbeiten die ja nie und berauben alleinerziehende Frauen immer ihrer verdienten Sozialhilfe. Das geht ja mal gar nicht!

Da war doch so ne nette Partei, mit N und noch was dahinter. Die wollen sich für so vorbildliche Frauen wie Frau O. einsetzen. Frau O. ärgert sich – hätte sie sich mal für die eingesetzt. Ein Glück, dass bald schon wieder Wahlen sind.

Und spätestens, wenn ihr Sohn in einem Gefängnis in der Slowakei sitzt, weil er ein bisschen magisches, weißes Pulver über die Grenze bringen wollte, oder wenn er durch die Presse geht, weil er sich im Urlaub angeblich ein bisschen zu viel mit einer britischen Minderjährigen vergnügt hat, wird Frau O. sich etwas mehr für das Geschehen in Europa interessieren.

Leute, bitte geht wählen, wenn sich die Gelegenheit dazu bietet!

Das lernt man doch schon in South Park, dass selbst wenn du dich nur zwischen ’ner Kackstulle und ’nem Rieseneinlauf entscheiden kannst, es sich trotzdem lohnt zur Wahl zu gehen, weil sonst P-Diddy kommt und dich voll fertig macht.

Allein dadurch, dass so Parteien wie die NPD antreten, lohnt es sich doch hin zugehen um zu verhindern, dass die einen hohen Anteil an Stimmen erzielen.

Und auch die Aussage „Die erzielen ja eh nichts“ zieht nicht, weil man selber dadurch immer noch die Verantwortung hat, eben die zu wählen, von denen man glaubt, dass sie tatsächlich was bewegen könnten.

http://www.youtube.com/watch?v=fpGbUQFtF7Q&feature=PlayList&p=A9BF7A82DEBCA9F7&playnext=1&playnext_from=PL&index=9